Makroaufnahme fertiger schwarzer Duroplast-Gehäuseteile

Werkstoff & Fachwissen

Duroplast – der Werkstoff

Duroplaste, auch Duromere genannt, sind Kunststoffe, deren Makromoleküle beim Aushärten dreidimensional und engmaschig vernetzen. Nach dieser Vernetzung lassen sie sich weder aufschmelzen noch umformen. Duroplast-Formteile bleiben deshalb auch bei hohen Gebrauchstemperaturen extrem formstabil, sie isolieren elektrisch und widerstehen Chemikalien wie aggressiven Betriebsmedien. Baumgarten verarbeitet den Werkstoff seit über 60 Jahren zu Präzisionsbauteilen in Großserie.

01 · Werkstoff

Warum Duroplast?

Ausgangsstoff duroplastischer Bauteile sind in der Regel Kunstharze, die mit Füll- und Farbstoffen versetzt werden. Beim Aushärten im heißen Werkzeug entsteht daraus ein hartes, amorphes, unlösliches Polymernetzwerk. Das fertige Bauteil behält seine Form im Zieldesign dauerhaft bei und bietet zugleich sehr hohe Designfreiheit für technische wie optische Bauteile.

Weil Duroplaste ein deutlich geringeres spezifisches Gewicht haben als Metalle, ersetzen sie zunehmend Metallbauteile. Gegenüber Aluminium-Druckguss sind typische Duroplast-Formmassen rund 25 bis 35 Prozent leichter — echte Leichtbauwerkstoffe. Wie so ein Umstieg abläuft und wo seine Grenzen liegen, zeigt unsere Seite zur Metallsubstitution mit Duroplast.

Diese Seite gibt Ihnen den Überblick über Eigenschaften, Füllstoffe und Materialklassen; vier Detailseiten vertiefen Definition, Vergleich, Anwendung und Verarbeitung. Und wenn Sie bereits ein konkretes Bauteil im Kopf haben: Wir prüfen gern, ob Duroplast dafür der richtige Werkstoff ist.

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Offene, polierte Werkzeugkavität
Poliertes Duroplast-Spritzgießwerkzeug

02 · Eigenschaften

Die Eigenschaften von Duroplasten

Fünf Eigenschaften machen den Werkstoff für technische Bauteile interessant. Sie beruhen auf dem engmaschig vernetzten Molekülaufbau und auf Füll- und Inhaltsstoffen, die sich gezielt wählen lassen.

Duroplaste haben eine hohe Formstabilität und Härte

Die dreidimensionale Vernetzung macht Duroplaste extrem hart, druckfest und formbeständig. Einmal ausgehärtet, behält ein Formteil seine Geometrie dauerhaft bei; es kriecht auch unter Dauerlast kaum und ist abriebbeständig. Hinzu kommt ein geringer Wärmeausdehnungskoeffizient: Die Maße bleiben über einen weiten Temperaturbereich stabil. Das ist die Grundlage für Präzisionsbauteile — in unserer Serienfertigung läuft ein Ölpumpenstellring mit nur 10 µm Höhentoleranz, dokumentiert in der Fachzeitschrift Kunststoffe 12/2018. Die Kehrseite gehört zur ehrlichen Betrachtung: Duroplaste sind spröder als Thermoplaste, gefüllte Phenolharz-Formmassen erreichen Bruchdehnungen unter einem Prozent. Schlagartige Belastungen berücksichtigt deshalb schon die duroplastgerechte Konstruktion. Formstabilität von Duroplast im Detail →

Duroplast ist thermisch hoch belastbar

Duroplaste erweichen beim Erwärmen nicht, denn ihnen fehlt der Schmelzbereich der Thermoplaste. Ihre elektrischen und dielektrischen Eigenschaften bleiben auch bei hohen Gebrauchstemperaturen erhalten, und die Formstabilität duroplastischer Bauteile hält thermischen Belastungen von mehreren hundert Grad Celsius über viele Minuten stand. Konkrete Dauergebrauchswerte hängen von der Formmasse ab: Phenolharz-Typen liegen laut Datenblättern bei etwa 130 bis 150 °C, Epoxid-Formmassen erreichen bis 210 °C (IEC 60216) und BMC-Typen (Bulk Molding Compound) eine Wärmeformbeständigkeit von 260 °C und mehr. Dazu kommen ein vorteilhaftes Brandverhalten und Selbstlöschverhalten, beides typabhängig. Die Kennwert-Bereiche der einzelnen Materialklassen stehen in der Tabelle unten. Temperaturbeständigkeit von Duroplast im Detail →

Duroplaste sind resistent gegen Chemikalien und aggressive Medien

Nach der Vernetzungsreaktion sind Duroplaste beständig gegen Chemikalien und organische Lösungsmittel. Die Medienresistenz umfasst die meisten Fluide im automobilen Umfeld ebenso wie viele Laugen und andere aggressive Medien. Anders als Metall korrodieren Duroplast-Bauteile nicht. Für Pumpenkomponenten, Ventilblöcke in Hydraulik- und Kältekreisen oder Bauteile im dauerhaften Kontakt mit Öl-Wasser-Additiv-Gemischen ist das ein entscheidender Vorteil: Der Werkstoff arbeitet dauerhaft im direkten Medienkontakt. Chemikalienbeständigkeit von Duroplast im Detail →

Duroplast ist elektrisch isolierend

Der chemische Aufbau macht Duroplaste zusammen mit geeigneten Füll- und Inhaltsstoffen zu hervorragenden elektrischen Isolatoren — vom Schalter in der Elektroinstallation bis zur Hochvolt-Anwendung im Fahrzeug. Entscheidend ist, dass die Isolationswirkung auch unter hohen Temperatureinwirkungen erhalten bleibt. Die Kriechstromfestigkeit unterscheidet sich je nach Materialklasse: UP- und BMC-Formmassen erreichen einen CTI von 600, den Bestwert der Prüfskala nach IEC 60112 — ein Auslegungsvorteil für Kriechstrecken in Hochvolt-Bordnetzen. Duroplast als elektrischer Isolator im Detail →

Duroplaste sind je nach Füllstoff thermisch leitend oder isolierend

Über die Füllstoffwahl lässt sich das thermische Verhalten in beide Richtungen auslegen: wärmedämmend, wo Bauteile Hitze fernhalten sollen, oder wärmeleitend, wo Verlustwärme abgeführt werden muss. Wärmeleitfähig ausgerüstete Epoxid-Formmassen erreichen mehr als 2 W/(m·K), Spezialcompounds bis etwa 10 W/(m·K) — bei voller elektrischer Isolation. So schützt eine duroplastische Umspritzung oder Umhüllung sensible Elektronik vor dem „Hitzetod". Überall dort, wo hohe Ströme oder hohe Einsatztemperaturen auftreten, spielt der Werkstoff diese Doppelrolle aus. Wärmeleitfähigkeit von Duroplast im Detail →

03 · Eigenschaften visualisiert

Ein Bauteil, fünf Beweise

Dieselbe Duroplast-Komponente unter fünf Belastungen — visualisiert an einem Serienbauteil aus unserer Fertigung.

Rendering: Duroplast-Bauteil bleibt unter dem Druck eines Stempels formstabil

Formstabil unter Last

Extrem hart, druckfest, kriecharm: Die dreidimensionale Vernetzung hält die Geometrie dauerhaft — Basis für Präzision bis 10 µm Höhentoleranz.

Formstabilität im Detail
Rendering: glühend heißes Umfeld — das Duroplast-Bauteil bleibt hitzefest

Thermisch hoch belastbar

Kein Schmelzbereich, kein Erweichen: Kurzzeitig widersteht der Werkstoff mehreren hundert Grad, BMC erreicht eine Wärmeformbeständigkeit von 260 °C und mehr.

Temperaturbeständigkeit im Detail
Rendering: Chemikalien perlen vom Duroplast-Bauteil ab — beständig gegen aggressive Medien

Beständig gegen Chemikalien

Öle, Laugen, aggressive Betriebsmedien: Duroplast arbeitet dauerhaft im direkten Medienkontakt — und korrodiert nicht.

Chemikalienbeständigkeit im Detail
Rendering: Blitzentladungen — das Duroplast-Bauteil isoliert elektrisch und leitet nicht

Elektrisch isolierend

Isolationswirkung, die auch bei hohen Gebrauchstemperaturen erhalten bleibt — UP- und BMC-Formmassen bis CTI 600, dem Bestwert nach IEC 60112.

Elektrische Isolation im Detail
Rendering: Wärmefluss am Duroplast-Bauteil — je nach Füllstoff wärmeleitend oder dämmend

Thermisch leitend oder dämmend

Über Füllstoffe in beide Richtungen auslegbar: wärmedämmend — oder wärmeleitend bis etwa 10 W/(m·K) bei voller elektrischer Isolation.

Wärmeleitfähigkeit im Detail

04 · Rezeptur

Was bewirken Füllstoffe und Additive im Duroplast?

Eine duroplastische Formmasse besteht aus Harz, Härter, Füll- und Verstärkungsstoffen sowie Additiven. Füll- und Verstärkungsstoffe machen typischerweise 40 bis 65 Prozent der Masse aus, je nach System sind bis zu 80 Prozent möglich. Duroplast ist damit kein Material von der Stange, sondern ein Baukasten: Die Rezeptur wird auf die Anforderungen des Bauteils abgestimmt. Ein Nebeneffekt hoher Füllgrade ist wirtschaftlich: Sie entkoppeln die Materialkosten vom Ölpreis.

Die Komponenten leisten dabei Unterschiedliches — und sollten nicht in einen Topf geworfen werden:

  • Verstärkungsstoffe wie Glasfasern nehmen mechanische Lasten auf und verbessern die Zähigkeit des sonst spröden Materials.
  • Füllstoffe — Glaskugeln, Gesteinsmehl und weitere anorganische Füllstoffe — erweitern unter anderem die thermische Belastbarkeit deutlich.
  • Additive ergänzen die Rezeptur als eigene Komponente; fachlich zählen sie nicht zu den Füllstoffen.
  • Farbmittel wirken funktional mit: Helle Pigmente verbessern die Kriechstromfestigkeit, dunkle verschlechtern sie.

Wie gezielt sich damit auslegen lässt, zeigt der Wärmeausdehnungskoeffizient: Bei Epoxid-Formmassen ist er auf etwa 15 bis 30 ppm/K einstellbar und damit an Aluminium- oder Kupfer-Einleger anpassbar. Thermische Spannungen in umspritzten Verbundbauteilen sinken entsprechend.

05 · Materialklassen

Welche Materialklassen gehören zu den Duroplasten?

Hinter dem Sammelbegriff stehen mehrere Harzfamilien. Für technische Spritzgussbauteile sind vor allem drei relevant: Phenolharz (PF), Epoxidharz (EP) und ungesättigte Polyesterharze (UP), letztere meist als glasfaserverstärktes BMC (Bulk Molding Compound). Phenoplaste — bekannt geworden unter dem Namen Bakelit — sind die klassische Duroplast-Familie: druckfest, wärmeformbeständig, chemisch beständig. Epoxid-Formmassen haben die niedrigsten Verarbeitungsviskositäten der Duroplastfamilie und umspritzen empfindliche Elektronik besonders schonend. BMC kombiniert Glasfasern mit mineralischen Füllstoffen und liefert exzellente elektrische Eigenschaften; laut einem KraussMaffei-Fachbeitrag werden 95 Prozent aller Auto-Scheinwerferreflektoren aus BMC gefertigt. Melamin- und Harnstoffharze (Aminoplaste) ergänzen das Spektrum, etwa in der Elektroinstallation.

Baumgarten verarbeitet rieselfähige Phenol- und Epoxidharzmassen sowie BMC auf spezifischen Großserienanlagen. Wie die Verarbeitung abläuft, erklärt die Seite Duroplast-Spritzguss in Großserie; die Besonderheiten des Materials BMC beschreibt BMC-Spritzguss.

Kennwert-Bereiche typischer Duroplast-Formmassen (Auswahl, typabhängig)
Kennwert PF (Phenolharz) EP (Epoxidharz) BMC (UP-Harz)
Dichte 1,30–1,45 g/cm³ 1,8–2,0 g/cm³ ~1,7–2,1 g/cm³
Dauergebrauchstemperatur ~130–150 °C bis 210 °C (IEC 60216)
Wärmeformbeständigkeit HDT/A (1,8 MPa) ~180 °C ≥260 °C
Kriechstromfestigkeit CTI (IEC 60112) ~125–150 bis 600 (Bestwert)
Wärmeleitfähigkeit ~0,25–0,3 W/(m·K) >2,0 bis ~10 W/(m·K)¹ ~1–1,4 W/(m·K)
Typische Füllstoffe / Verstärkung Holzmehl, Gesteinsmehl, Glasfasern, Graphit mineralische Füllstoffe, Glasfasern, Glaskugeln (>70 Gew.-% möglich) Glasfasern 10–30 %, mineralische Füllstoffe
Typische Anwendungen hochbelastete Strukturbauteile, Pumpenkomponenten, Kolben Elektronik-Verkapselung, Sensoren, Statorwicklungen Scheinwerferreflektoren, Hochvolt-Isolation

¹ wärmeleitfähig ausgerüstete Compounds. Quellen: Hersteller-Datenblätter (Kern PF 31/51, Lomix BMC 0204, Raschig Epoxidur) und Fachvortrag Duresco, recherchiert 07/2026. Alle Angaben sind typabhängige Bereiche marktüblicher Formmassen, keine Bauteilspezifikation; verbindlich ist das Datenblatt der jeweils gewählten Formmasse. „—" = für die Klasse nicht pauschal belegt.

06 · Vertiefung

Duroplast-Wissen im Detail

Vier Seiten führen den Überblick fort — von der Definition bis zum Verarbeitungsverfahren.

Duroplast-Definition

Was genau ist ein Duroplast, wie grenzt sich der Begriff Duromer ab, und wie entstehen duroplastische Formmassen? Die Grundlagen, sauber definiert.

Zur Definition

07 · Anwendung

Mitarbeiter an der Rundtaktanlage
Serienfertigung an der Rundtaktanlage

Hochvolt und Umspritzung: wo Duroplast seine Stärken ausspielt

Die Kombination aus elektrischer Isolation, Temperaturbeständigkeit und Formstabilität macht Duroplaste zum Werkstoff für Hochvoltanwendungen — Steckergehäuse, Fassungen, Kapselungen und Strombrücken in E-Mobility und Energiespeichern.

Als Umspritzung schützt der Werkstoff sensible Elektronik und Sensorik vor negativen Umwelteinflüssen: mediendicht, temperaturfest, mit einer Wärmeausdehnung, die sich an metallische Einleger anpassen lässt. Von der Insert-Umspritzung von Steckerpins bis zur Statorumspritzung elektrischer Maschinen ist das bei Baumgarten Tagesgeschäft.

Alle Branchen und Anwendungscluster →

Zitierte Referenz

Unser Wissens-Bereich wird seit Jahren von Konstrukteuren gelesen und zitiert.

08 · Häufige Fragen

Werkstoff Duroplast: häufige Fragen

Sind Duroplaste und Duromere dasselbe?

Ja. Duromer ist die fachsprachliche Bezeichnung für denselben Werkstofftyp: Kunststoffe, die dreidimensional aushärten und nach der Aushärtung nicht mehr verformt werden können. Im technischen Alltag hat sich Duroplast durchgesetzt, in der Werkstoffkunde ist von Duromeren die Rede. Beide Begriffe bezeichnen harte, unlösliche Polymere, deren Moleküle engmaschig vernetzt sind.

Warum lässt sich Duroplast nicht schmelzen oder umformen?

Beim Aushärten verbinden sich die Makromoleküle über kovalente Bindungen zu einem engmaschigen, dreidimensionalen Netzwerk. Diese chemische Vernetzung ist irreversibel: Wärme löst die Bindungen nicht wieder, das Material erweicht deshalb nicht. Oberhalb der Zersetzungstemperatur zerfällt ein Duroplast, statt zu schmelzen. Genau diese Eigenschaft macht duroplastische Bauteile so formstabil und temperaturbeständig.

Welche Temperaturen hält Duroplast aus?

Das hängt von der Formmasse ab. Phenolharz-Typen erreichen laut Datenblättern Dauergebrauchstemperaturen von etwa 130 bis 150 °C bei einer Wärmeformbeständigkeit um 180 °C. Epoxid-Formmassen sind bis 210 °C dauereinsatzfähig (IEC 60216), BMC-Typen erreichen eine Wärmeformbeständigkeit von 260 °C und mehr. Kurzzeitig hält die Formstabilität duroplastischer Bauteile thermischen Belastungen von mehreren hundert Grad Celsius über viele Minuten stand.

Ist Duroplast recycelbar?

Aufschmelzen und neu formen wie einen Thermoplast lässt sich Duroplast nicht — die Vernetzung ist irreversibel. Stofflich verwertbar ist der Werkstoff trotzdem: Gemeinsam mit dem Fraunhofer ICT hat Baumgarten die Rückführung granulierter Angüsse als Füllstoff in den Spritzgießprozess in Serienversuchen erprobt, bei unveränderter Maßhaltigkeit der Bauteile. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Kunststoffe 12/2022 veröffentlicht und in unserem Fachbeitrag zur Angussverwertung zusammengefasst.

Sind Duroplaste elektrisch leitfähig oder isolierend?

Duroplaste sind elektrische Isolatoren. Ihre Isolationsfähigkeit beruht auf dem chemischen Aufbau und der Füllstoffwahl und bleibt auch bei hohen Gebrauchstemperaturen erhalten. Die Kriechstromfestigkeit unterscheidet sich je nach Materialklasse: UP- und BMC-Formmassen erreichen einen CTI von 600, den Bestwert der Prüfskala nach IEC 60112. Deshalb werden Duroplaste sowohl in häuslichen als auch in Hochvolt-Anwendungen eingesetzt.

Zuletzt aktualisiert: 10.07.2026

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