Werkstoff Duroplast · Eigenschaften

Duroplast als elektrischer Isolator

Duroplaste sind elektrische Isolatoren, deren Isolationswirkung auch bei hohen Gebrauchstemperaturen erhalten bleibt. Die Kriechstromfestigkeit hängt von der Materialklasse ab: UP- und BMC-Formmassen erreichen einen CTI von 600 — den Bestwert der Prüfskala nach IEC 60112 —, Phenolharz-Typen liegen bei etwa 125 bis 150. Epoxid-Formmassen erreichen Durchschlagfestigkeiten bis 60 kV. Das macht Duroplast zum Werkstoff für Elektroinstallation und Hochvolt-Bordnetze.

01 · Werkstoffverhalten

Was macht Duroplast zum Isolator?

Die Isolationsfähigkeit von Duroplast beruht auf zwei Faktoren: dem chemischen Aufbau des engmaschig vernetzten Polymernetzwerks und der gezielten Wahl der Füll- und Inhaltsstoffe. Beides ändert sich im Betrieb nicht — die elektrischen und dielektrischen Eigenschaften bleiben deshalb auch bei hohen Gebrauchstemperaturen stabil, wo Thermoplaste nahe ihrer Glasübergangstemperatur nachlassen.

Selbst die Einfärbung wirkt mit: Helle Pigmente verbessern die Kriechstromfestigkeit, dunkle verschlechtern sie. Die Rezeptur einer duroplastischen Formmasse lässt sich damit exakt auf das Anforderungsprofil eines Isolationsbauteils auslegen — vom Lichtschalter bis zur Hochvolt-Durchführung. Warum der Werkstoff dabei auch thermisch nicht nachgibt, erklärt die Seite Temperaturbeständigkeit von Duroplast.

Zwei schwarze Duroplast-Deckel, Studioaufnahme
Isolierende Duroplast-Formteile aus Phenolharz

02 · Kriechstromfestigkeit

Wie kriechstromfest sind die Duroplast-Klassen?

Der CTI (Comparative Tracking Index nach IEC 60112) beschreibt, wie gut eine Isolierstoff-Oberfläche der Bildung leitfähiger Kriechpfade widersteht: Geprüft wird mit 50 Tropfen genormter Elektrolytlösung in 25-Volt-Schritten, die Skala endet bei 600 Volt. Je höher der CTI, desto kürzer dürfen Kriechstrecken ausgelegt werden — bei kompakten Hochvolt-Komponenten ein direkter Bauraumvorteil.

Kriechstromfestigkeit und elektrische Kennwerte typischer Duroplast-Formmassen
Materialklasse CTI (IEC 60112) Elektrische Besonderheit
UP/BMC (Bulk Molding Compound) 600 — Bestwert der Skala plus Wärmeformbeständigkeit ≥260 °C und UL94 V-0 halogenfrei
EP (Epoxidharz) typabhängig Durchschlagfestigkeit bis 60 kV; schonende Elektronik-Umspritzung
PF (Phenolharz) ~125–150 Stärken liegen mechanisch: druckfest, kriecharm, hitzefest
MF (Melaminharz) hoch (qualitativ) klassischer Schalterbau-Werkstoff, kratzfest

Quellen: Datenblätter Lomix BMC 0204 und BMC 600, Kern PF 31/51, Raschig Epoxidur; CTI-Definition nach IEC 60112 (kern.de-Kunststofflexikon), recherchiert 07/2026. Typabhängige Werte; verbindlich ist das Datenblatt der gewählten Formmasse.

03 · Praxis

Von der Steckdose bis zum Hochvolt-Bordnetz

Duroplast trägt Isolationsaufgaben seit Jahrzehnten: Schalter, Fassungen und Isolierteile der Elektroinstallation waren die ersten Großserienanwendungen des Werkstoffs. Heute kommen Hochvolt-Systeme dazu — Steckergehäuse, Kapselungen und Strombrücken, bei denen der CTI von 600 kürzere Kriechstrecken im Bordnetz erlaubt. Die Anwendungen zeigen die Branchen-Seiten Elektro & Elektronik und E-Mobility.

Isolation ist auch das stärkste Argument, wenn Metall ersetzt werden soll: Aluminium leitet, Duroplast isoliert von Haus aus — Folien, Beschichtungen oder Luftstrecken entfallen. Wie der Umstieg abläuft, beschreibt die Seite Metallsubstitution. Und wo Elektronik direkt im Werkstoff verschwindet, übernehmen Duroplast-Umspritzung und PCB-Umspritzung: mediendicht gekapselte Sensorik, Statoren und Leiterplatten.

Alle fünf Duroplast-Eigenschaften im Überblick →

04 · Häufige Fragen

Elektrische Isolation: häufige Fragen

Was bedeutet CTI 600 bei Kunststoffen?

Der CTI (Comparative Tracking Index nach IEC 60112) ist die höchste Prüfspannung in Volt, bei der nach dem Auftropfen von 50 Tropfen genormter Elektrolytlösung kein leitfähiger Kriechstrompfad auf der Oberfläche entsteht. Geprüft wird in 25-Volt-Schritten, die Skala endet bei 600 Volt. CTI 600 ist damit der Bestwert der Prüfung — UP- und BMC-Formmassen erreichen ihn, was kürzere Kriechstrecken in der Auslegung erlaubt.

Bleibt die Isolationswirkung von Duroplast bei Hitze erhalten?

Ja. Die Isolationsfähigkeit von Duroplast beruht auf dem chemischen Aufbau des vernetzten Polymernetzwerks und der Füllstoffwahl — beides ändert sich bei Gebrauchstemperatur nicht. Die elektrischen und dielektrischen Eigenschaften bleiben deshalb auch bei hohen Einsatztemperaturen stabil. Das unterscheidet Duroplast von vielen Thermoplasten, deren Eigenschaften nahe der Glasübergangstemperatur abfallen, und macht ihn zum Werkstoff für heiße Hochvolt-Umgebungen.

Welche Duroplast-Klasse eignet sich für Hochvolt-Anwendungen?

Für Kriechstrom-kritische Hochvolt-Bauteile sind UP- und BMC-Formmassen erste Wahl: Sie erreichen einen CTI von 600, den Bestwert nach IEC 60112, kombiniert mit einer Wärmeformbeständigkeit von 260 °C und mehr. Epoxid-Formmassen ergänzen mit Durchschlagfestigkeiten bis 60 kV und dem schonenden Umspritzen empfindlicher Elektronik. Phenolharz-Typen liegen beim CTI mit etwa 125 bis 150 niedriger und tragen eher mechanisch dominierte Anwendungen.

Zuletzt aktualisiert: 13.07.2026

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