Gitterbox voller schwarzer Duroplast-Formteile

Werkstoff & Fachwissen

DUROPLAST – Definition

Duroplaste, fachsprachlich Duromere genannt, sind Kunststoffe, deren Polymerketten bei der Aushärtung irreversibel zu einem dreidimensionalen Netzwerk vernetzen — danach lassen sie sich weder umformen noch wieder aufschmelzen. Das macht Bauteile aus Duroplast formstabil, elektrisch isolierend, chemikalienbeständig und thermisch hoch belastbar. Als Leichtbauwerkstoffe eignen sich Duroplaste zur Substitution von Metallbauteilen. Baumgarten verarbeitet duroplastische Formmassen seit über 60 Jahren in Großserie.

01 · Begriff

Was sind Duroplaste?

Der Begriff Duroplast und das fachsprachliche Synonym Duromer bezeichnen denselben Werkstoff: eine Untergruppe der Polymere, deren Ketten beim Aushärten über chemische Bindungen zu einem engmaschigen, dreidimensionalen Netzwerk verknüpft werden. Diese Vernetzung ist irreversibel. Was einmal ausgehärtet ist, lässt sich weder umformen noch wieder aufschmelzen; oberhalb der Zersetzungstemperatur zerfällt das Material, statt zu schmelzen.

Verarbeitet werden Duroplaste als Formmassen: Kunstharze, die mit Härtern, Füll- und Farbstoffen versetzt sind. Erst im heißen Werkzeug härtet die Masse zum fertigen Bauteil aus. Das Endprodukt behält sein Zieldesign dauerhaft.

Für Konstrukteure ist ein zweiter Punkt entscheidend: Duroplaste sind Leichtbauwerkstoffe. Pumpendeckel aus duroplastischen Formmassen substituieren heute Aluminium-Bauteile — wann und wie das funktioniert, erklärt unsere Seite Metallsubstitution mit Duroplast.

Duroplast-Spritzgießfertigung bei Baumgarten
Vollgeregelte Spritzgießfertigung in Großserie

02 · Rezeptur

Woraus besteht eine duroplastische Formmasse?

Welche Eigenschaften ein Duroplast-Bauteil später hat, entscheidet sich in der Rezeptur: Harz, Härter, Füllstoffe und Additive greifen ineinander.

Inhaltsstoffe duroplastischer Formmassen und ihre Wirkung
Komponente Aufgabe Wirkung auf die Eigenschaften
Harz bildet die Basis und bestimmt die grundlegenden mechanischen und thermischen Eigenschaften Epoxidharze: hohe Festigkeit und chemische Beständigkeit. Phenolharze: bekannt für Wärmebeständigkeit und mechanische Eigenschaften.
Härter initiiert die Vernetzungsreaktion, indem er mit dem Harz reagiert Die Wahl des Härters beeinflusst Aushärtungszeit, Endfestigkeit und Temperaturbeständigkeit.
Füllstoffe verbessern gezielt Eigenschaften oder reduzieren Kosten; Anteile bis zu 80 % sind möglich Glasfasern erhöhen Zugfestigkeit und Steifigkeit; mineralische Füllstoffe verbessern Wärmeleitfähigkeit und Druckfestigkeit.
Weichmacher & Additive modifizieren das Eigenschaftsprofil im Detail Etwa Flexibilität oder Schlagzähigkeit; als Weichmacher wirken z. B. geringe thermoplastische Anteile.

Um diese Möglichkeiten auszuschöpfen, braucht es ein tiefes Verständnis der Zusammenhänge zwischen den Ausgangsmaterialien, den Prozessparametern, den daraus entstehenden Bauteileigenschaften und den Betriebsmitteln samt ihrer Veränderung über die Produktionsdauer. Das verlangt interdisziplinäres Wissen aus Prozessführung, Polymersynthese und Werkstoffmechanik. Vernetzungsreaktionen und ihre Verläufe lassen sich über die Auswahl der Ausgangsmaterialien und individuelle Fertigungsparameter gezielt variieren.

03 · Compoundierung

Wie werden duroplastische Formmassen hergestellt?

Duroplastische Formmassen entstehen beim Compoundieren: Harz, Härter und Füllstoffe werden zu einem definierten, verarbeitungsfähigen Material homogenisiert. Drei Verfahren haben sich etabliert.

Extruder

Kontinuierliches Verfahren: Die Ausgangsmaterialien, oft Pulver oder Granulate, werden durch Wärme und Scherkräfte plastifiziert und homogenisiert. Mit der Zugabe von Härtern oder Katalysatoren beginnt die Vernetzungsreaktion bereits im Extruder. Branchenüblich sind Schneckenextruder; viele rieselfähige Phenol- und Epoxidharzmassen entstehen auf speziellen Maschinen dieser Bauart. Anordnung und Geometrie der Schnecken sind wesentlich für das Ergebnis.

Walzwerk

Verarbeitung zwischen rotierenden Walzen, besonders geeignet für Platten und Folien; die Vernetzung startet durch mechanische Beanspruchung und kontrollierte Temperaturführung. In diesem Durchlaufverfahren entstehen üblicherweise SMC-Halbzeuge, die in Rollen an die Verarbeiter geliefert werden. Auch rieselfähige Phenolharzmassen werden gewalzt: Die Walzteppiche werden nach dem Abkühlen vermahlen und in Gebinde abgepackt.

Mischer

Chargenprozess in Innen- oder Planetenmischern: Die Komponenten werden in der Regel ohne größere Wärmezufuhr homogenisiert, sodass noch keine signifikante Vernetzungsreaktion startet. Auf diesem Weg entsteht zum Beispiel BMC (Bulk Molding Compound).

Irreversibel

Beim Aushärten vernetzen die Makromoleküle dreidimensional — danach lässt sich Duroplast weder schmelzen noch umformen.

04 · Verarbeitung

Werkzeugbauer an der Werkbank
Eigener Werkzeugbau bei Baumgarten

Vom Compound zum Bauteil

Die Formgebung übernehmen spezialisierte Urformverfahren: Spritzgießen, Pressen, Spritzpressen (Transfermolding) oder das Wickelverfahren, je nach Anwendung und Bauteilgeometrie. Unterschieden wird nach hohem und geringem Druck. Die Hochdruckverarbeitung findet im geschlossenen Werkzeug statt; bei den Pressverfahren trennt man Nassverfahren (Kalt- und Warmpressen) von Trockenverfahren mit Pressmatten.

Für die Großserie ist das Spritzgießen das Verfahren mit der höchsten Serienleistung — vollautomatisierbar und geometrisch am flexibelsten. Manche Formmassen, meist Phenolharzmaterialien, durchlaufen nach dem Urformen definiert einen Wärmebehandlungsprozess (Tempern). Der korrekte Verarbeitungsprozess trägt wesentlich dazu bei, dass der Werkstoff sein Leistungspotenzial entfaltet.

Alle Verfahren im Detail erklärt die Wissensseite Herstellung und Verarbeitung von Duroplasten; wie wir das Verfahren in der Praxis einsetzen, zeigt Duroplast-Spritzguss in Großserie.

05 · Eigenschaften

Welche Eigenschaften haben Duroplaste?

Die engmaschige Vernetzung macht Duroplast-Bauteile extrem formstabil und formbeständig, mit hoher Druckfestigkeit. Duroplaste erweichen bei Erwärmung nicht und kriechen kaum — viele Thermoplaste bauen bei höheren Temperaturen mechanisch ab, ein Duroplast-Bauteil nicht. Auch die elektrischen und dielektrischen Eigenschaften bleiben bei hohen Gebrauchstemperaturen erhalten, je nach Formmasse bis etwa 200 °C.

Dazu kommt die Beständigkeit gegen Chemikalien und organische Lösungsmittel: gegen die meisten Fluide im automobilen Umfeld, viele Laugen und andere aggressive Medien, auch im dauerhaften Kontakt. Über Füll- und Inhaltsstoffe lassen sich Duroplaste thermisch leitend oder isolierend auslegen; elektrisch isolieren sie in häuslichen wie in Hochvolt-Anwendungen. Je nach Materialklasse kommen hohe Kriechstromfestigkeit, vorteilhaftes Brandverhalten, Selbstlöschverhalten, Abriebbeständigkeit und Maßstabilität dank geringer Wärmeausdehnungskoeffizienten hinzu.

80 %

möglicher Füllstoffanteil — Basis für gezielt eingestellte Eigenschaften

200 °C

mechanische Kennwerte bleiben nahezu erhalten, wo technische Thermoplaste einbrechen (Fachpresse-Beleg)

1,4–2,0 g/cm³

Dichte gefüllter Formmassen (PF/EP/BMC) laut Datenblättern — Leichtbau gegenüber Metall

CTI 600

Kriechstromfestigkeit von BMC/UP-Massen nach IEC 60112 — Bestwert der Prüfskala

Zur Ehrlichkeit gehört: Gefüllte Duroplaste sind spröder als Thermoplaste, die Bruchdehnung gefüllter Phenolharz-Formmassen liegt unter 1 %. Dafür bieten sie sehr hohe Designfreiheit — Wanddickensprünge, etwa durch Verbindungselemente auf der Rückseite, und designbedingte Geometriesprünge lassen sich gut umsetzen, kratzunempfindliche Oberflächenblenden machen den Werkstoff auch im sichtbaren Bereich einsetzbar. Alle Eigenschaften mit Kennwert-Bereichen bündelt der Überblick Werkstoff Duroplast.

06 · Konstruktion

Null-Schwund und Null-Grad-Entformung

Zwei Besonderheiten machen Duroplaste für die Konzeption technischer Bauteile besonders wertvoll — beide sind über Rezeptur und Prozess gezielt einstellbar.

„Null“-Schwund

Keine Volumenänderung während der Aushärtung: wichtig überall dort, wo präzise Maßhaltigkeit gefordert ist. Über geeignete Harz-Härter-Kombinationen und spezifische Füllstoffe lässt sich der Schwund minimieren oder ganz eliminieren. Auch Schwingungsverhalten, Härte und Verarbeitbarkeit werden über Rezeptur und Prozessparameter eingestellt.

Null-Grad-Entformung

Zylindrische Formen und Flächen, die orthogonal zur Entformungsrichtung stehen, lassen sich ohne Entformungsschräge realisieren. In der Konzeptionierung technischer Bauteile wird diese Besonderheit oft genutzt. Welche Präzision daraus in Serie entsteht, zeigen unsere beispielhaften Bauteile.

07 · Prozesswissen

Chargenschwankungen: warum Duroplast Verarbeitungskompetenz verlangt

Chargenschwankungen lassen sich in der Produktion von Duroplast nicht immer vermeiden. Wer den Werkstoff in Großserie verarbeitet, muss mit ihnen umgehen können.

Woher kommen die Schwankungen?

Die Ursachen beginnen beim Material: kleinere Schwankungen in den Rohstoffen, ungenaue Dosierung oder unzureichende Homogenisierung der Komponenten. Der Compoundeur muss deshalb strenge Regeln einhalten und überwacht werden, damit ein definiertes, leistungsfähiges Duroplastmaterial entsteht. Dazu kommt die Herstellung selbst: Bei rieselfähigen Duroplasten startet der Materialhersteller die chemische Vernetzung bereits beim Compoundieren. Es folgen ein schneller Abbruch der Reaktion, Abkühlen, Vermahlen und das Verpacken des Granulats. Der exakte Vor-Vernetzungsgrad ist danach nicht bekannt — auch das wird in der Verarbeitung als Chargenschwankung wahrgenommen.

Was bedeutet das für den Verarbeiter?

Der Verarbeiter führt die Vernetzung beim Spritzgießen oder Transfermolding fort und muss den Prozess laufend anpassen. Schwankungen von Temperatur, Druck oder Aushärtungszeit verändern die Vernetzungsdichte und damit die mechanischen Eigenschaften des Bauteils; schon Veränderungen der Umgebungsatmosphäre wirken sich auf die Verarbeitungseigenschaften aus. Die Bestimmung der Materialeigenschaften wird heute teils mit KI-gestützter Auswertungssoftware präzisiert.

Bei Baumgarten sorgt die Erfahrung aus über 60 Jahren Duroplast-Verarbeitung dafür, dass individuelle Bedingungen erfasst und ausgeglichen werden — Chargenschwankungen sind kein Problem, sondern Teil der Verarbeitungskompetenz. Wie eine adaptive Prozessregelung den Umschaltpunkt in jedem einzelnen Schuss regelt, dokumentiert unser Fachbeitrag Präzision im Duroplast-Spritzguss.

08 · Forschung

Woran wird bei Duroplasten geforscht?

Steigende Anforderungen in der Leistungselektronik und die zunehmende Funktionsdichte in Baugruppen, etwa in den Antriebseinheiten von Fahrzeugen, wecken Interesse an funktionalisierten Kunststoffen mit wärmeleitenden, magnetischen oder mechanischen Eigenschaften. Dank des hohen möglichen Füllstoffgehalts von oftmals 80 % lassen sich Duroplaste gezielt daran anpassen. Erforscht wird das unter anderem an der TU Chemnitz, am IKV der RWTH Aachen und am Lehrstuhl für Kunststofftechnik (LKT) der FAU Erlangen-Nürnberg — dort geht es um die systematische Optimierung von Prozessparametern funktionalisierter Duroplast-Compounds, die wichtigsten Einflussgrößen im Spritzgießprozess und mediendichte Systeme durch Umspritzen mit Duroplast.

BioDurInject: biobasierte Formmassen

Gemeinsam mit dem SKZ – Das Kunststoff-Zentrum in Würzburg und der Süd-West-Chemie entwickelt Baumgarten rieselfähige Duroplast-Formmassen auf Basis nachwachsender Rohstoffe. Ziel ist, petrochemisch basierte Duromere durch biobasierte Duroplaste zu ersetzen — mit zwei Rezepturstrategien: einem Bioanteil von mindestens 95 % oder über 70 % mit optimiertem Eigenschaftsprofil. Gefördert wird das Projekt vom BMEL im Programm „Nachwachsende Rohstoffe“.

Pressemitteilung als PDF

Lite²Duro: Leichtbau und Ressourceneffizienz

Mit dem Fraunhofer ICT hat Baumgarten Nachhaltigkeit und Leichtbau mit duromeren Kunststoffen untersucht. Das Projekt lieferte Erkenntnisse zum ressourcenschonenden und CO₂-effizienten Spritzgießen — bis hin zur Rückführung granulierter Angüsse als Füllstoff in den Serienprozess.

Ergebnisse zusammengefasst

09 · Anwendungen

Wo kommen Duroplaste zum Einsatz?

In strukturellen Bauteilen wie Abdeckungen, Gehäusen von Steuergeräten und Pumpen oder Bremssystemkomponenten. In der Elektroindustrie stecken Duroplaste in Schaltern, Steckdosen und Isolatoren, weil sie auch bei Hitze und Druck stabile elektrische Isolationswerte bieten. Die stärksten Abnehmerbranchen sind die Automobilindustrie, die Elektrotechnik, die Luft- und Raumfahrt sowie die Bauindustrie.

Mit der Elektrifizierung von Antrieben und deren Steuerung nimmt die Verwendung duroplastischer Kunststoffe deutlich zu: Statorpakete werden mediendicht umhüllt, Leistungselektronik samt Steckerpins wird im One-Shot-Verfahren schonend mit serienerprobten duroplastischen Kunststoffen umspritzt — wie das gelingt, zeigt die Seite Duroplast-Umspritzung.

Alle Einsatzfelder im Überblick: Anwendung Duroplast. Konkrete Bauteile aus unserer Fertigung: beispielhafte Bauteile.

Zwei Hälften eines Mehrkavitäten-Spritzgießwerkzeugs
Spritzgießwerkzeug aus dem eigenen Werkzeugbau

10 · Häufige Fragen

Duroplast-Definition: häufige Fragen

Was ist Duroplast?

Duroplast (fachsprachlich: Duromer) ist ein Kunststoff, dessen Polymerketten bei der Aushärtung irreversibel zu einem dreidimensionalen Netzwerk vernetzen. Nach der Vernetzung lässt sich das Material weder umformen noch wieder aufschmelzen. Duroplaste sind formstabil, elektrisch isolierend, chemikalienbeständig und thermisch hoch belastbar; als Leichtbauwerkstoffe eignen sie sich zur Substitution von Metallbauteilen.

Was ist der Unterschied zwischen Duroplast und Duromer?

Es gibt keinen: Duromer ist die fachsprachlich genauere Bezeichnung, Duroplast die gebräuchliche. Beide Begriffe stehen für denselben Werkstoff, einen Kunststoff aus dreidimensional vernetzten Polymerketten, der nach der Aushärtung nicht mehr verformbar ist. Auch das Adjektiv „duroplastisch“ bezieht sich auf diese Werkstoffklasse.

Was passiert, wenn man Duroplast erhitzt?

Duroplast erweicht beim Erwärmen nicht und schmilzt nicht auf; das vernetzte Molekülnetzwerk hält das Bauteil in Form. Mit anorganischen Füllstoffen bleibt die Formstabilität kurzzeitig sogar bei mehreren hundert Grad Celsius erhalten. Erst oberhalb der Zersetzungstemperatur zerfällt das Material chemisch, statt zu schmelzen.

Worin unterscheiden sich Duroplaste von Thermoplasten?

Thermoplaste sind unvernetzt: Sie lassen sich wiederholt aufschmelzen und umformen, erweichen dafür unter Temperatur und neigen bei höheren Temperaturen zum Kriechen. Duroplaste vernetzen bei der Verarbeitung irreversibel und bleiben auch bei hohen Gebrauchstemperaturen formstabil. Eine ausführliche Gegenüberstellung bietet unser Thermoplast-Duroplast-Vergleich.

Wie werden duroplastische Formmassen gelagert?

Einige Vorprodukte und Compounds erfordern eine kontrollierte Lagerungstemperatur, damit die Vernetzung nicht vorzeitig fortschreitet. Viele Phenolharzmassen sind unempfindlicher und lassen sich bei Raumtemperatur lagern. In jedem Fall gilt: vor Feuchtigkeit und direkter Sonneneinstrahlung schützen, damit die Verarbeitungseigenschaften erhalten bleiben.

Zuletzt aktualisiert: 10.07.2026

Welche Formmasse passt zu Ihrem Bauteil?

Stellen Sie uns Ihre Materialfrage. Wir beraten anwendungsbezogen — von der Werkstoffauswahl über die duroplastgerechte Konstruktion bis zur Großserie.