Werkstoff Duroplast · Eigenschaften
Wärmeleitfähigkeit von Duroplast: dämmend oder leitend
Die Wärmeleitfähigkeit von Duroplast lässt sich über die Füllstoffwahl in beide Richtungen auslegen: Standard-Phenolharzmassen dämmen mit 0,25 bis 0,3 W/(m·K), gefüllte BMC-Typen liegen bei 1 bis 1,4 W/(m·K), wärmeleitfähig ausgerüstete Epoxid-Formmassen erreichen mehr als 2 W/(m·K), Spezialcompounds bis etwa 10 W/(m·K) — bei voller elektrischer Isolation. So schützt Duroplast Elektronik wahlweise vor Hitze oder führt Verlustwärme gezielt ab.
01 · Werkstoffverhalten
Dämmen oder leiten — wie geht beides?
Duroplastische Formmassen bestehen zu 40 bis 65 Prozent, teils bis 80 Prozent, aus Füll- und Verstärkungsstoffen. Diese Füllstoffe bestimmen das thermische Verhalten: Mineralische Standardfüllungen dämmen, thermisch leitfähige, aber elektrisch nichtleitende Füllstoffe machen die Formmasse zum Wärmeleiter — ohne die elektrische Isolation aufzugeben.
Damit übernimmt ein Bauteil zwei gegensätzliche Aufgaben, je nach Rezeptur: Es hält Hitze von empfindlichen Komponenten fern, oder es führt Verlustwärme dorthin ab, wo sie gekühlt werden kann. Wärmeleitfähig ausgerüstete Epoxid-Formmassen erreichen mit Standard-Füllstoffwahl mehr als 2 W/(m·K) — rund das Vier- bis Fünffache des Thermoplast-Niveaus —, Spezialcompounds bis etwa 10 W/(m·K). Wie die Isolation dabei erhalten bleibt, erklärt die Seite Duroplast als elektrischer Isolator.
02 · Kennwerte
Wärmeleitfähigkeit der Duroplast-Klassen im Vergleich
| Materialklasse | Wärmeleitfähigkeit | Auslegungsrichtung |
|---|---|---|
| PF (Phenolharz, Standardtypen) | ~0,25–0,3 W/(m·K) | wärmedämmend — hält Hitze von Komponenten fern |
| BMC (UP-Harz, gefüllt) | ~1–1,4 W/(m·K) | moderat leitend, kombiniert mit CTI 600 |
| EP (wärmeleitfähig ausgerüstet) | >2,0 W/(m·K) | ≈ 4–5× Thermoplast-Niveau, volle elektrische Isolation |
| EP (Spezialcompounds) | bis ~10 W/(m·K) | gezielte Verlustwärme-Abfuhr, z. B. an Wicklungen |
Für Hybridbauteile kommt ein zweiter thermischer Kennwert dazu: Der lineare Wärmeausdehnungskoeffizient von Epoxid-Formmassen ist auf etwa 15 bis 30 ppm/K einstellbar und damit an Aluminium- und Kupfer-Einleger anpassbar. Umspritzte Stromschienen, Buchsen und Wicklungen bauen beim Temperaturwechsel kaum Spannungen auf.
Quellen: Duresco-Fachvortrag, Raschig-Epoxidur-Datenblätter, Datenblatt Lomix BMC 0204 und Kern-PF-Datenblätter, recherchiert 07/2026. Typabhängige Bereiche; verbindlich ist das Datenblatt der gewählten Formmasse.
03 · Praxis
Wärmemanagement in E-Mobility und Elektronik
Am deutlichsten zeigt sich die Doppelrolle im elektrischen Antrieb: Wärmeleitfähige Epoxid-Formmassen führen die Verlustwärme direkt an der Statorwicklung ab — bei voller elektrischer Isolation. Zugleich schützt eine duroplastische Umhüllung Leistungselektronik und Sensorik vor dem „Hitzetod", wo hohe Ströme oder hohe Einsatztemperaturen auftreten. Die Anwendungen bündeln die Branchen-Seite E-Mobility und die Branchen-Seite Elektro & Elektronik.
Umgesetzt wird das Wärmemanagement über die Verfahren Duroplast-Umspritzung — Inserts, Wicklungen und Sensoren direkt im Werkstoff — und PCB-Umspritzung, bei der die bestückte Leiterplatte mediendicht und wärmeangebunden gekapselt wird. Welche Temperaturen der Werkstoff selbst verträgt, zeigt die Seite Temperaturbeständigkeit von Duroplast.
04 · Häufige Fragen
Wärmeleitfähigkeit: häufige Fragen
Wie hoch ist die Wärmeleitfähigkeit von Duroplast?
Das hängt von Materialklasse und Füllstoff ab. Standard-Phenolharzmassen liegen bei 0,25 bis 0,3 W/(m·K) und wirken wärmedämmend. Gefüllte BMC-Typen erreichen etwa 1 bis 1,4 W/(m·K). Wärmeleitfähig ausgerüstete Epoxid-Formmassen kommen mit Standard-Füllstoffwahl auf mehr als 2 W/(m·K) — rund das Vier- bis Fünffache des Thermoplast-Niveaus —, Spezialcompounds auf bis zu etwa 10 W/(m·K).
Kann ein Kunststoff gleichzeitig Wärme leiten und elektrisch isolieren?
Ja — genau das ist die Doppelrolle wärmeleitfähig ausgerüsteter Duroplaste. Elektrisch nichtleitende, aber thermisch leitende Füllstoffe führen die Verlustwärme ab, während das Polymernetzwerk elektrisch isoliert. Epoxid-Formmassen erreichen so mehr als 2 bis etwa 10 W/(m·K) bei voller elektrischer Isolation. In E-Motoren wird die Verlustwärme damit direkt an der Wicklung abgeführt, ohne eine leitfähige Brücke zu schaffen.
Wie passt Duroplast zur Wärmeausdehnung von Metall-Einlegern?
Der lineare Wärmeausdehnungskoeffizient von Epoxid-Formmassen ist über die Füllstoffwahl auf etwa 15 bis 30 ppm/K einstellbar — und damit an Aluminium- oder Kupfer-Einleger anpassbar. Umspritzte Buchsen, Stromschienen oder Wicklungen bauen beim Aufheizen und Abkühlen deshalb kaum thermische Spannungen auf. Für Hybridbauteile mit Metall-Einlegern ist dieses CTE-Matching neben der Mediendichtheit das zentrale Auslegungsargument.
Zuletzt aktualisiert: 13.07.2026
Verlustwärme im Griff — oder Hitze draußen?
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